Schwacher Harnstrahl, Harnsperre

Die Abschwächung des Harnstrahles ist ein Zeichen dafür, dass sich die Blase mit ihrer Entleerung schwerer tut als früher. Dies kann einerseits durch einen höheren mechanischen Widerstand verursacht sein. Die häufigste Ursache für einen schwachen Harnstrahl ist die gutartige Prostatavergrößerung . Aber auch Verengungen der Harnröhre oder des Blasenausganges, ein fortgeschrittener Prostatakrebs oder eine hochgradige Verengung der Vorhaut (Phimose) können den Harnstrahl abschwächen. Ist die Muskulatur der Blase nicht stark genug, diesen Widerstand zu überwinden, bleibt Harn in der Blase zurück (Restharn). Im schlimmsten Fall kommt es zur Harnsperre (akuter Harnverhalt) mit Unfähigkeit zu urinieren und starken Schmerzen. In diesem Fall muß ehest möglich ärztliche Hilfe gesucht werden, um die Blase mittels Katheter zu entleeren.


Ist eine mechanische Ursache vorhanden, kann mit einer Operation Abhilfe geschaffen werden (siehe Kapitel „gutartige Prostatavergrößerung“).
Auch eine zu schwache Muskulatur der Blase ohne mechanische Ursache kann zu einer Abschwächung des Harnstrahles führen. Häufig handelt es sich dann um Erkrankungen des Nervensystems. Auch die Blase ist ein Muskel, der Nerven benötigt, um richtig arbeiten zu können. Sind diese Nerven beschädigt, kann die Blase ihre Muskelkraft zur Harnentleerung nicht mehr aufbringen. Häufige Ursachen sind Diabetes, Bandscheibenprobleme, Wirbelsäulenverletzungen oder große Operationen im Becken (z.B. bei Mastdarm- oder Gebärmutterkrebs).

Die Muskulatur der Blase kann allerdings auch durch eine lange bestehende und nicht erkannte oder behandelte mechanische Ursache (am häufigsten Prostatavergrößerung) zerstört werden. Bestehen über längere Zeit sehr hohe Restharnmengen, kann dadurch die Blasenmuskulatur so überdehnt werden, dass sie nicht mehr funktioniert.

Eine nicht mehr funktionsfähige Blase kann durch Operation nicht wieder hergestellt werden. Die überdehnte kaputte Blasenmuskulatur erholt sich dann nicht mehr. In so einem Fall hilft nur, die Blase über Einmalkatheter mehrmals täglich (meist 4-6) zu entleeren. Die meisten Betroffenen können lernen, ihre Blase selbst über Katheter zu entleeren („intermittierender Selbstkatheterismus“). Dies ist eindeutig die bessere Variante als eine Behandlung mit einem Dauerkatheter, zu dem man nur greifen sollte, wenn nichts anderes möglich ist.