Erkrankungen der männlichen äußeren Geschlechtsorgane

Einer der wichtigsten, weil gefährlichsten Erkrankungen des Mannes, dem Hodenkrebs, ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Hier sind einige andere Krankheitsbilder beschrieben.

Verengung der Vorhaut (Phimose)

Diese kann angeborenerweise auftreten. Bei kleine Kindern ist eine Phimose normal und wächst sich in vielen Fällen aus. Wenn aber nach dem 6.Lebensjahr die Vorhaut noch immer nicht ohne Widerstand zurückgestreift werden kann, sollte man eine Beschneidung (Circumcision) überlegen.

Bei älteren Erwachsenen tritt nicht selten eine Phimose neu auf. Ursache ist meist ein entzündliches Geschehen, das durch Vernarbung zu einer Verengung führt. Auch dann sollte eine Circumcision erfolgen. Dies ist ein kleiner Eingriff, der meist tagesklinisch durchgeführt wird.

Verkürztes Vorhautbändchen (Frenulum breve)

Hier ist die Vorhaut an sich weit genug, um zurück gestreift zu werden. Das Bändchen an der Unterseite des Penis ist jedoch bei einer Versteifung des Gliedes (Erektion) zu kurz, was zu Schmerzen und beim Verkehr mitunter auch zu Einrissen führt. Die Diagnose wird daher meist in der Pubertät oder im jungen Erwachsenenalter gestellt. Das Problem kann leicht in einem kleinen Eingriff in örtlicher Betäubung behoben werden.

Wasserbruch (Hydrocele)

Die Bezeichnung "Wasserbruch" ist ein wenig irreführend, weil es sich hier nicht, wie beispielsweise bei einem Leistenbruch, um eine Vorwölbung von Bauchinhalt handelt. Vielmehr kommt es bei der Hydrocele zu einer zunehmenden Flüssigkeitsansammlung rund um den Hoden. Oft läßt sich keine auslösende Ursache feststellen. Dies führt zu einer anfangs meist scherzlosen Schwellung, die auch beidseitig auftreten kann. Die Unterscheidung dieser harmlosen Erkrankung von einem Hodenkrebs kann mit Tastuntersuchung und Hodenultraschall leicht erfolgen. Größere Hydrocelen können abgesehen von der kosmetischen Beeinträchtigung aber auch schmerzhaft werden. Wird die Hydrocele als störend empfunden, läßt sie sich mit einer kleinen Operation beseitigen. Nach dem Eingriff besteht noch für einige Zeit eine Schwellung, die sich dann zurückbildet.

Nebenhodenentzündung (Epididymitis)

Dies ist eine entzündliche Schwellung des Nebenhodens, meist durch Bakterien ausgelöst. Diese stammen meist von einem Harnwegsinfekt und wandern über den Samenleiter zum Nebenhoden. Häufig besteht Fieber, nahezu immer ist die Entzündung schmerzhaft. Die Diagnose erfolgt mit Tastbefund und Ultraschall des Hodens . Die Behandlung erfolgt mit Antibiotikum, Schmerzbehandlung und Entzündungshemmung sowie Bettruhe und Hochlagern des Hodens. In manchen Fällen stirbt trotz Behandlung der Hoden ab und muß entfernt werden, meist bei älteren Männern.

Nebenhodencyste

Hierbei handelt es sich um eine harmlose Erkrankung, die nichts mit Krebs zu tun hat. Eine Cyste ist immer eine Flüssigkeitsansammlung, in diesem Fall im Nebenhoden. Mit einem Ultraschall des Hodens lässt sich die Diagnose meist eindeutig stellen. Es gilt, ähnlich wie bei der Hydrocele: Wenn Beschwerden vorliegen, kann diese Cyste in einer kleinen Operation entfernt werden, unbedingt nötig ist das aber nicht.

Hodenverdrehung (Hodentorsion)

Dieses Zustandsbild ist eine Notfallsituation, weil ohne rechtzeitige Operation der Hoden innerhalb von 6 Stunden abstirbt. Typischerweise sind Kinder oder jung Erwachsene betroffen, mit zunehmendem Alter wird die Torsion immer seltener. Typischerweise in der Nacht, oft nach sportlicher Betätigung am Vortag kommt es zu heftigen Schmerzen im Bereich des Hodens, meist wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Wenn solch ein plötzlicher Hodenschmerz auftritt, muß unverzüglich die nächste urologische Klinik aufgesucht werden. Nicht immer ist die Diagnose eindeutig zu stellen, aber im Zweifelsfall muß ehestmöglich operiert werden. Der Hoden wird mit einem kleinen Schnitt am Hodensack freigelegt, die Verdrehung beseitigt, und der Hoden in korrekter Position mit einigen Nähten im Hodensack fixiert. Auch der zweite Hoden wird vorsorglich mit Nähten fixiert.

Verkrümmungen des Penis (Deviatio penis, induratio penis plastica)

Besteht angeborenerweise eine Verkrümmung des Penis bei der Erektion, spricht man von Deviatio penis. Mitunter tritt eine solche Verkrümmung jedoch erst im Laufe des Lebens auf. Ursache ist dann eine entzündliche Veränderung in der Hülle der Schwellkörper, die durch Vernarbung zu einer Verkrümmung führt. Eine leichte Verkrümmung des Penis ist als normal zu betrachten, kein Penis ist 100% gerade. Wenn die Verkrümmung so stark ist, daß ein Geschlechtsverkehr nur erschwert oder gar nicht möglich ist, sollte operiert werden.

Das Prinzip besteht darin, daß die narbige Verdickung als Ursache der Verkrümmung beseitigt wird und auf der Gegenseite, also an der konvexen Seite der Verkrümmung, Nähte gesetzt werden, um die Verkrümmung zu begradigen. Eine allerdings nur minimale Verkürzung des Penis ist dabei in Kauf zu nehmen. Nach der Operation darf 6 Wochen lang kein Geschlechtsverkehr erfolgen, weil sonst die Gefahr besteht, daß die noch nicht komplett verheilten Nähte einreißen.