Gutartige Prostatavergößerung

(Fachausdruck: Benigne Prostatahyperplasie, abgekürzt BPH)

Die gutartige Vergrößerung der Prostata (BPH) stellt eine der häufigsten urologischen Erkrankungen dar. Mit zunehmendem Alter des Mannes kommt es zu einem kontinuierlichen Wachstum der Prostata. Man schätzt, dass in Österreich etwa ein Drittel aller Männer über 50 an Beschwerden leidet, die auf die Prostata zurückzuführen sind.

Folgende Symptome bzw. Beschwerden können durch die Prostata verursacht werden:

Keines der genannten Symptome ist absolut spezifisch auf die Prostata zurückzuführen. Weitere Abklärungen sind daher nötig.

Folgende Untersuchungen sind standardmäßig durchzuführen:

Die Harnuntersuchung gibt Hinweise auf eine Harnwegsinfektion und zeigt an, ob sich Blutspuren im Harn  finden.
Die Tastuntersuchung der Prostata  über den Enddarm gibt Aufschluß über Größe und Konsistenz der Prostata. Die Einschätzung der Größe ist wichtig, weil die weitere Vorgangsweise zum Teil davon abhängt. Eine Verhärtung der Prostata bedeutet Krebsverdacht und erfordert Entnahmen von Gewebeproben (Biopsie).


Bei der Harnflußmessung uriniert der Patient in ein Messgerät, das die Stärke des Harnstrahles misst. Bei der Mehrzahl der Patienten mit behandlungswürdiger Prostatavergrößerung ergibt diese Messung einen abgeschwächten Wert.
Die Ultraschalluntersuchung der Nieren wird durchgeführt, um eine Harnstauung auszuschließen.

Die Ultraschalluntersuchung der Blase  zeigt, ob die Blase vollständig entleert werden konnte oder ob die Entleerung unvollständig ist (Restharn).

Die Bestimmung des PSA (Prostataspezifisches Antigen) schließlich zeigt an, ob ein Risiko für das Vorliegen von Prostatakrebs besteht. Ist der PSA-Wert erhöht, erfordert dies die Durchführung einer Prostatabiopsie.
Die subjektive Beeinträchtigung des Patienten kann über den „Internationalen Prostata-Symptomenscore“ (IPSS) zahlenmäßig erfasst werden.

Weitere Untersuchungen, die bei gezielter Fragestellung durchgeführt werden:

Die Blasenspiegelung wird durchgeführt, wenn ein Verdacht auf Blasenkrebs vorliegt (z.B. bei Blut im Harn). Hierbei wird in örtlicher Betäubung ein Endoskop durch die Harnröhre in die Blase eingeführt und das Innere der Blase untersucht.
Der transrektale Ultraschall erlaubt eine genauere Volumenbestimmung der Prostata, wenn die Wahl der Behandlung hiervon abhängt und wird auch bei der Prostatabiopsie angewandt.

Die Blasendruckmessung (Urodynamik) ist die genaueste Methode zur Bestimmung der Funktion der Harnblase. Sie wird vor allem dann durchgeführt, wenn Hinweise auf eine Schädigung der Blasenfunktion durch hohe Restharnmengen vorliegen oder der Patient unter unwillkürlichem Harnverlust (Harninkontinenz) leidet.

Medikamentöse Behandlung:

Die Wahl der Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung, den subjektiven Beschwerden des Patienten und der Größe der Prostata. Leichtere Formen der BPH (gering abgeschwächter Harnstrahl, geringe Restharnmenge) können zunächst medikamentös behandelt werden. 2 Substanzgruppen stehen zur Auswahl:

  • Alphablocker (z.B. Tamsulosin)
  • 5-Alpha-Reduktasehemmer (Finasterid, Dutasterid)

Alphablocker wirken vereinfacht ausgedrückt über eine Entspannung von Muskelzellen und führen hierdurch in kurzer Zeit zu einer Erleichterung der Symptome, haben aber keinen langfristigen Einfluß auf den Verlauf der Erkrankung. Die 5-Alphareduktasehemmer wirken über den Hormonstoffwechsel der Prostata. Die Wirkung entfaltet sich langsam über Monate und beschränkt sich auf größere Prostatadrüsen von 40ml oder mehr. Sie führen nicht zu einer raschen Besserung der Beschwerden, dafür aber langfristig zu einer Verlangsamung des Krankheitsverlaufs. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass bei einer Prostatagröße über 40ml beide Substanzgruppen kombiniert werden sollten, was auch durch eine große Studie abgesichert ist.


Eine dritte Substanzgruppe, die abgesichert durch neuere Studienergebnisse, ein Wirkung zeigen konnte, sind die PDE-5-Hemmer (Sildenafil, Vardenafil, Tadalafil), die eigentlich zur Behandlung von Erektionsstörungen dienen, aber als günstigen Nebeneffekt eine Verbesserung der Blasenentleerung mit sich bringen. Die Wirksamkeit ist mit jener der Alphablocker vergleichbar. Da diese Substanzen jedoch von den Krankenkassen nicht bewilligt werden, ist derzeit keine breite Anwendung bei der Behandlung der Prostatavergrößerung gegeben.


In jedem Fall sind unter medikamentöser Behandlung zumindest halbjährliche urologische Kontrollen erforderlich. Unkontrolliert kommt es nicht selten zu einer langsamen vom Patienten unbemerkten Verschlechterung der Blasenentleerung mit zunehmender Restharnmenge, die zu einer bleibenden Schädigung der Blasenmuskulatur führen kann.

Operative Behandlung:

Spricht der Patient auf die Medikamente nicht an oder verschlechtert sich das Beschwerdebild unter der Behandlung, empfiehlt sich eine operative Vorgangsweise. Diese ist bei schwerer Ausprägung (z.B. hohe Restharnmengen, deutlich abgeschwächter Harnstrahl, Harnsperre, Stauung der Nieren, wiederholte Blutungen oder Infektionen) von vornherein anzustreben. Das Prinzip aller Eingriffe besteht darin, die inneren Anteile der Prostata, welche die Blasenentleerung behindern, zu entfernen bzw. zu verkleinern.

Folgende Eingriffe stehen zur Wahl:

  • Transurethrale Resektion der Prostata (TURP)
  • Offene Operation mittels Bauchschnitt (transvesikale Prostatektomie)
  • Laseroperation mit Holmium-Laser

Die Standardoperation mit den besten Langzeitergebnissen ist immer noch die TURP. Hier wird die Prostata durch die Harnröhre mit einer elektrischen Schlinge von innen her ausgehöhlt. Die Wundfläche in der Prostata wird elektrisch verschorft, um Blutungen zu stillen. Die Möglichkeit zur Durchführung einer TURP wird durch die Größe der Drüse limitiert. Die für die Operation erforderliche Spülflüssigkeit ist frei von Elektrolyten, kann also keinen Strom leiten.

Das ist nötig, weil sonst der von der Schlinge erzeugte Strom von der Spülflüssigkeit abgeleitet würde, und damit kein Schnitt mit der Schlinge möglich wäre. Bei sehr großen Drüsen würde die Operation zu lange dauern, wodurch es zu einem vermehrten Einströmen der Flüssigkeit in die Blutbahn kommen kann (sogenanntes TUR-Syndrom). Letzteres kann durch die sogenannte bipolare Resektionstechnik, bei welcher Kochsalzlösung als Spülflüssigkeit verwendet wird, verhindert werden. Mit bipolarer Resektion können auch große Drüsen durch die Harnröhre operiert werden.

Die bei der TURP entstehenden Gewebsschnitzel werden über das Instrument aus der Blase ausgespült und auf der Pathologie mikroskopisch untersucht. Danach muß für 2-3 Tage ein Dauerkatheter liegen, der dann entfernt wird, sobald keine relevante Blutung mehr vorliegt. Als Komplikationen können selten (wenige Prozent) Nachblutungen auftreten, die eine neuerliche Operation erfordern. Sehr selten kommt es durch Verletzung des Schließmuskels zu einem dauerhaften unwillkürlichen Harnverlust (Harninkontinenz).

Auch die Entstehung einer Harnröhrenenge (Urethrastriktur) ist mit modernen Instrumenten sehr selten geworden. Hingegen kommt es nahezu immer als Folge der TURP dazu, dass der Samenerguß in die Blase erfolgt (sogenannte retrograde Ejakulation). Dies ist als normale Nebenwirkung der Operation zu werten und nicht als Komplikation. Der Samen wird mit der nächsten Blasenentleerung ausuriniert. Falls bei einem Patienten noch ein Kinderwunsch besteht, sollte daher keine TURP erfolgen.

Eine Alternative zur offenen Schnittoperation bei großen Drüsen ist die TURP mit bipolarem Strom. Durch die spezielle Konfiguration des Instrumentes kann die Operation mit physiologischer Kochsalzlösung anstelle der elektrolytfreien Spülflüssigkeit durchgeführt werden. Damit kann es zu keinem TUR-Syndrom kommen.

Bei der Holmium-Laser Enukleation der Prostata (abgekürzt HOLEP) wird das Prostatagewebe  ähnlich wie bei der TURP mit einer Lasersonde durch die Harnröhre ausgeschält. Die Prostataanteile werden dann in der Blase zerkleinert und ausgespült. Auch diese Methode ist für große Drüsen gut geeignet.

Die offene Operationsmethode mit Schnitt im Unterbauch wird heute nur noch selten angewandt. Früher wurde offen operiert, wenn die Prostata für die TURP zu groß war. Da heute mit bipolarer TURP und Laserenukleation neuere Methoden verfügbar sind, bei denen kein TUR-Syndrom auftreten kann, hat die Schnittoperation an Bedeutung verloren.