Gewebeentnahme aus der Prostata (Prostatabiopsie)

Auch diese Untersuchung kann in der Ordination durchgeführt werden. Besteht ein Verdacht auf Prostatakrebs (siehe Kapitel „Prostatakrebs“, „PSA-Bestimmung“, „Tastuntersuchung der Prostata“), dann ist die logische Konsequenz eine Gewebeentnahme.

Für die Prostatabiopsie ist es erforderlich, daß spätestens 1 Stunde vorher ein Antibiotikum (Ciprofloxacin 500mg) genommen wird. Eine normale Stuhlentleerung am Tag der Untersuchung ist ausreichend, eine Entleerung wie bei einer Darmspiegelung ist nicht nötig. Die Blutgerinnung muß allerdings in Ordnung sein, Medikamente mit Auswirkung auf die Blutgerinnung müssen pausiert werden.

Durchführung:

Der Patient liegt auf seiner linken Seite auf der Liege. Eine eigens für diesen Zweck hergestellte Ultraschallsonde wird über den After des Patienten eingeführt und die Prostata im Ultraschall (transrektaler Ultraschall, abgekürzt TRUS) hinsichtlich Größe, Form und krebsverdächtige Auffälligkeiten untersucht. Allerdings ist Prostatakrebs im Frühstadium meist nicht im Ultraschall zu sehen. Der Grund für die Verwendung des Ultraschalles besteht hauptsächlich darin, die Gewebeproben gezielt aus verschiedenen Anteilen der Prostata zu entnehmen. Eine dünne Nadel wird über eine Führungsschiene mit Zielvorrichtung vorgeschoben. Diese Nadel stanzt auf Knopfdruck unter Ultraschallkontrolle Gewebezylinder aus der Prostata heraus. Die Nadel wird herausgezogen, während die Ultraschallsonde ruhig liegenbleibt, der Gewebezylinder wird in ein Gefäß gegeben, und der Vorgang wird wiederholt. Routinemäßig werden 12 Gewebszylinder entnommen. Nach der letzten Gewebeprobe wird die Ultraschallsonde entfernt.

Die Prostatabiopsie ist normalerweise nur wenig schmerzhaft, weil der Darm für die Nadelstiche im Gegensatz zur äußeren Haut nicht empfindlich ist. Als unangenehm wird allenfalls die Ultraschallsonde empfunden, weil sie einen gewissen Druck auf die Darmwand ausübt. Die überwiegende Mehrzahl der Patienten toleriert die Biopsie problemlos, sodass eine Narkose oder auch nur Beruhigung nicht nötig ist. Lediglich im Wiederholungsfall, wenn 28 Zylinder entnommen werden ("Saturationsbiopsie"), ist wegen der ausgedehnten Biopsie eine Beruhigung sinnvoll.

Das Ciprofloxacin ist nach der Biopsie noch für 3 Tage zu nehmen. Leichte Blutbeimengungen bei Stuhl oder Harn sind nach der Prostatabiopsie normal und unbedenklich. Sehr selten kommt es zu einer starken Blutung. Wenn nach einer Prostatabiopsie beim Stuhlgang reines Blut kommt, ist unverzüglich das Krankenhaus aufzusuchen. Gleiches gilt für Fieber. Wenn trotz Einnahme des Antibiotikums Fieber auftritt (was ebenfalls sehr selten ist), ist die nächstgelegene urologische Klinik aufzusuchen.

Eine neuere Entwicklung auf dem Gebiet der Prostatabiopsie ist die Steuerung mittels Magnetresonanz. Die Magnetresonanz kann speziell aggressivere Tumorareale besser darstellen als der Ultraschall. Durch Fusion des MR- und des Ultraschallbildes kann die Biopsie dann gezielt aus den verdächtigen Bezirken entnommen werden. Aufgrund des technischen Aufwandes und der Kosten ist diese Methode allerdings nicht flächendeckend verfügbar.

Bezüglich der Vorgangsweise nach Vorliegen des Biopsieergebnisses siehe Kapitel „Prostatakrebs".

Andere neuere Techniken wie Elastographie, Histoscanning oder kontrastmittelverstärkter Ultraschall konnten die hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllen und haben daher bislang keinen Eingang in die Routine gefunden.

Hingegen gewinnt die Magnetresonanz auch für die Prostatabiopsie zunehmend an Bedeutung.